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Die Geschichte des Wassers in Teublitz

Die Geschichte des Wassers in Teublitz
© Archiv Stadt Teublitz

Wassernot in Teublitz. Eine Marktgemeinde ohne Wasserleitung." Mit dieser Überschrift betitelte die Lokalausgabe der „Mittelbayerischen Zeitung", die damals noch unter dem Titel „Burglengenfelder Zeitung" (BZ) erschien,  am  24.10.1949 einen Artikel über die unbefriedigende Trinkwasserversorgung in Teublitz. Teublitz, das 1939 zum Markt erhoben worden war und erst 1953 die Stadtrechte verliehen bekam, verfügte zum damaligen Zeitpunkt über keine zentrale Trinkwasserversorgung; Wohnungen, Geschäfte und Gasthäuser wurden aus privaten Brunnen (entweder altmodische Ziehbrunnen oder bereits modernere Pumpbrunnen) versorgt.Die Geschichte des Wassers in Teublitz 2

 

Diese ungünstige Ausgangslage wurde in den 40er und 50er Jahren immer mehr zu einem ernstzunehmenden Problem, da diese Jahrzehnte durch ein kontinentales Klima (sehr trockene Sommer, kalte Winter) gekennzeichnet waren. Die Brunnen versiegten und lieferten im Sommer kein Wasser mehr. Dazu kamen hausgemachte Probleme, wie der Artikel  feststellte: „Durch die steigende Ansiedlung [von Heimatvertriebenen, die in der nahegelegenen Maxhütte Arbeit fanden] werden auch die erschlossenen Wasseradern zu stark in Anspruch genommen." Zusätzlich traten auch Umweltprobleme auf: Die vermehrte Einleitung von Industrieabwasser aus der Maxhütte bzw. von Abwasser aus der Gemeinde Maxhütte in den offenen, nicht verrohrten Schützengraben verursachte im besten Falle nur eine Geruchsbelästigung, im schlechtesten Fall führte sie zum Fischsterben in der Naab und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das Wasser in den meisten Hausbrunnen wurde jetzt endgültig ungenießbar. Das aus der Maxhütte stammende Wasser erwies sich als derartig aggressiv, dass es die vorhandene Betoneinfassung zerfraß.  Bei der Untersuchung einer Wasserprobe aus dem Rathaus  stellte sich im Juni 1951 heraus, dass das entnommene Wasser mit Darmkolibakterien verseucht war. Bürgermeister Hochstettler formulierte in einem Schreiben am 12.06.1951 an das Landratsamt drastisch: „Der derzeitige Zustand der Wasserversorgung in Teublitz kann nicht mehr verantwortet werden." Das Gesundheitsamt sprach  am 05.01.1952 von „außerordentlich ungünstigen Wasserverhältnissen" und beschrieb ein  „bakteriologisch außerordentlich ungünstiges Ergebnis" der Wasserproben.  Als Ausweg bot sich nur die Möglichkeit, eine zentrale Wasserversorgung zu errichten. Obwohl bereits lange vor dem 2. Weltkrieg für Teublitz entsprechende Pläne ausgearbeitet worden waren, herrschte jetzt akuter Handlungsbedarf. Die Errichtung eines zentralen Wasserwerks setzte allerdings voraus, mit einer Tiefenbohrung Grundwasser zu erschließen.

 

Die ersten Brunnenbohrversuche verliefen ohne Erfolg. Da am Saltendorfer Berg in einer Tiefe von ca. 100 m nur sehr geringe Wasservorkommen gefunden wurden, wurde die Bohrung fortgesetzt. Am Mittwoch den 15.05.1952 geschah für alle Beteiligten etwas Unfassbares. Eine unter Druck stehende Wasserblase wurde angebohrt (ein sog. artesischer Brunnen), so dass sich eine Wasserfontäne bildete und das austretende Wasser  begann, die tiefer gelegenen Felder zu überfluten. Es bildete sich ein tiefer  Graben und der unterhalb gelegene Bahndamm lief Gefahr, unterspült zu werden. Guter Rat war teuer, so dass sich die Experten sogar überlegten, die Quelle zu sprengen. Obwohl die BZ am 24 Mai die Erfolgsmeldung brachte „Wasserausbruch wurde gebändigt", erwies sich diese Nachricht als verfrüht. Zwei  Tage später lautete die Schlagzeile: „Wassermassen in Teublitz wieder ausgebrochen", da das eingefüllte Dichtungsmaterial  dem Wasserdruck nicht standgehalten hatte. Die misslungene Bohrung  rief auch überregionales Interesse  hervor. Das 8-Uhr-Blatt in Nürnberg (das später von der Abendzeitung in München aufgekauft wurde) titelte am 30. Mai: „Seltenes Naturereignis, Wasserstoß aus der Erde. Bohrloch wurde zur Gefahr." Erst einige Tage später gelang die endgültige Abdichtung. Obwohl Teublitz für die durch die Überflutung verursachten Schäden aufkommen musste, erwies sich das Projekt trotzdem als Erfolg. Von nun an verfügte die Stadt über genügend Grundwasser, das keine Verunreinigung mehr aufwies. Die Bewohner konnten nach dem Anschluss an das Leitungsnetz unbesorgt Wasser au der Leitung trinken, was nicht überall der Fall war. Eine Chlorierung des Trinkwassers war in den 50er und 60er Jahren oft noch die Regel. Seit 2014 weiß man, dass das Wasser in Teublitz eine eher gute Qualität aufweist.

 

© Dr. Thomas Barth

 

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