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Kriegsende vor 75 Jahren – Ein KZ-Todesmarsch aus Buchenwald zieht durch Teublitz

Am 08. Mai 1945 – vor genau 75 Jahren – endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs der 2. Weltkrieg in Europa.

  • Geschichte
Dr. Karl Hofmann an seinem 75. Geburtstag bei der Verleihung der goldenen Bürgermedaille durch Bürgermeister Rudolf Lenk

In Teublitz war der Krieg bereits am 24. April 1945 vorbei, als amerikanische Panzer das Ortszentrum besetzten und einige wenige übrig gebliebene Angehörige der Wehrmacht in Gewahrsam nahmen. Einen Tag vorher, am Montag, den 23.04.1945 waren die Einwohner von Teublitz noch mit einem der dunkelsten Kapitel des Dritten Reichs konfrontiert worden: Am Vormittag erreichten KZ-Häftlinge den Ort und baten im katholischen Pfarrhof um Hilfe. Die damaligen Ereignisse wurden von Pfarrer Dr. Karl Hofmann (1904-1991) in einem Bericht festgehalten, so dass wir über den Verlauf relativ gut Bescheid wissen. Pfarrer Hofmann betreute die Pfarrei von 1941-1951, 1962 wurde er zum Generalvikar der Diözese Regensburg ernannt. Auf ihn geht auch die alljährliche Wallfahrt zum Kreuzberg in Schwandorf zurück, die er gelobte, wenn die Pfarrei Teublitz im Krieg verschont bliebe.

Der Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald, der am 04.04.1945 begonnen hatte, um die Häftlinge nach Dachau zu „evakuieren“, war wahrscheinlich durch amerikanische Tieffliegerangriffe unter Beschuss geraten, so dass einige Gefangene fliehen konnten. Der Gefangenentross bewegte sich entlang der Bahnlinie Loisnitz – Haidhof. Am frühen Morgen erreichten zwei holländische Angehörige dieses Todeszugs, die entkommen waren, den Pfarrhof. Beide waren völlig erschöpft, einer durch eine eiternde Wunde gesundheitlich schwer angeschlagen. Obwohl Pfarrer Hofmann sich um ärztliche Hilfe bemühe, verstarb der holländische Landwirt Gerd Wolters drei Tage später, am 26. April im Alter von 27 Jahren. Sein Kamerad Jan Veldhuisen überlebte. Um die Mittagszeit erreichten weitere Gruppen mit ehemaligen jüdischen und polnischen KZ-Gefangenen, die geflohen waren, Teublitz und Weiherdorf. Im Wald wurden zudem die Leichen von vier Opfern gefunden, die den Todesmarsch nicht überlebt hatten. Wahrscheinlich waren sie exekutiert worden. Die Beerdigung erfolgte auf dem Friedhof in Teublitz. Einige Jahre später, im Jahre 1957, wurden die Särge allerdings nach Flossenbürg umgebettet, so dass die Erinnerungen an diese Ereignisse im Friedhof verschwunden sind. Ein russischer KZ-Häftling, dem Pfarrer Hofmann in Weiherdorf die Sterbesakramente spendete, besaß eine gute gesundheitliche Konstitution und überstand die Qualen des KZ-Zuges. Auch für seinen Einsatz für geflohenen Häftlinge wurde Pfarrer Hofmann später die Goldene Bürgermedaille der Stadt Teublitz verliehen.

Der Krieg war jedoch noch nicht zu Ende. Angehörige einer ungarischen SS-Einheit sprengten am Montag, den 23.04., noch die Brücken in Münchshofen und Premberg, um den amerikanischen Vormarsch nach Regensburg aufzuhalten. Die Sprengkraft der dabei verwendeten Munition war so gewaltig, dass dabei u.a. Fenster der Teublitzer Kirche beschädigt wurden. Noch am 20. April, an dem Adolf Hitler seinen 56. Geburtstag feierte, zehn Tage vor seinem Selbstmord, hatten sie demonstrativ die Hakenkreuzfahne gehisst. Teile der Teublitzer Bevölkerung versteckten sich inzwischen im nahegelegenen Wald, da sie Kampfhandlungen befürchteten, wenn Teublitz verteidigt würde. Um ihre Verteidigungsbereitschaft zu unterstreichen, malten sie Hakenkreuze auf die Straße und Häuserwände. Am 22.04., der Tag, an dem Burglengenfeld erobert wurde, zogen die Ungarn ab, wurden aber von deutschen Truppen ersetzt. Eine militärische Konfrontation lag also immer noch Bereich des Möglichen. Erst nach ihrem Abzug am nächsten Tag, nur einige wenige Soldaten blieben anscheinend zurück, war klar, dass Teublitz kampflos übergeben würde.

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