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Segnung der neuen Pfarrer-Hofmann-Straße

„Pfarrer Dr. Karl Hofmann hat Spuren in den Herzen der Teublitzerinnen und Teublitzer hinterlassen, als er sich in schwierigen Kriegszeiten als Seelsorger für seine Gemeinde eingesetzt hat!“, diese Worte von Erstem Bürgermeister Thomas Beer standen im Mittelpunkt der Segnung der Pfarrer-Hofmann-Straße im neuen Baugebiet „Im Dolling“.

  • Stadtleben
Erster Bürgermeister Thomas Beer (4.v.l.) hält eine Ansprache im Rahmen der Segnung der neuen Pfarrer-Hofmann-Straße. (Foto: Werner Artmann)

Nach einem Dankgottesdienst in der Pfarrkirche Herz-Jesu zogen die Geistlichen Pfarrer Michael Hirmer, Pfarrer Pater Sijo aus Katzdorf, Pater Wiliam Akkala und Diakon Heinrich Neumüller zusammen mit den Teublitzer Stadtoberhäuptern Thomas Beer, Robert Wutz und Saskia Wilhelm-Dorn sowie mehreren Pfarrangehörigen in einer kleinen Prozession in das neue Baugebiet „Im Dolling“. An der „Pfarrer-Hofmann-Straße“ erinnerte Bürgermeister Thomas Beer daran, dass am 9. Juni 2018 der Teublitzer Stadtrat beschlossen hatte, eine Straße nach dem Teublitzer Seelsorger der Kriegszeit Dr. Karl Hofmann zu benennen. Ein heute noch lebendiges Zeichen ist die von ihm am Ende des Krieges gestiftete Gelöbniswallfahrt nach Schwandorf, die 2021 zum 77. Mal stattfand. Für seine seelsorgerischen Verdienste wurde Dr. Karl Hofmann am 29. August 1979 die Bürgermedaille in Gold der Stadt Teublitz verliehen.

Die Geschichte von Pfarrer Dr. Hofmann

Ortsheimatpfleger Matthias Haberl stellte einige wichtige Punkte der Biographie von Pfarrer Dr. Karl Hofmann vor. Er wurde am 28. August 1904 in Pötzmes bei Mainburg in Niederbayern geboren, studierte in Regensburg und Innsbruck Theologie und wurde am 29. Juli 1930 zum Priester geweiht. Über zehn Jahre, von Mai 1941 bis September 1951, war er nach Pfarrer Peter Zellner der zweite Pfarrer der Pfarrei Teublitz mit Expositur Saltendorf und der Filialgemeinde Katzdorf. Damit fiel fast die Hälfte seiner Teublitzer Amtszeit in die Zeit des Nationalsozialismus. Zeitzeugen sprechen heute noch mit großer Hochachtung von Pfarrer Hofmann, weil er in dieser schwierigen und für Priester wie auch überzeugte Christ*innen nicht ungefährlichen Zeit bescheiden und selbstlos Menschen in Not und Gefahr half. So wird berichtet, dass er schon vor Kriegsende Menschen rettete, die vom NS-Regime verfolgt wurden, und im Pfarrhof und in der „Froschlacke“ bei Katzdorf Häftlinge eines Todesmarsches, aus dem KZ Flossenbürg, und desertierte Wehrmachtssoldaten versteckte.

Ein weiteres Ereignis der letzten Kriegstage ist das Gelübde, das Pfarrer Hofmann unter dem Eindruck der Bombardierung Schwandorfs am 17. April 1945 ablegte und das besagte, dass jährlich zum Kreuzberg nach Schwandorf gewallfahrtet werden solle, wenn Teublitz und Umgebung vor Kriegszerstörung bewahrt bleiben würden. Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Versprechen zum ersten Mal eingelöst und die alljährliche Wallfahrt besteht bis heute.

Eine große Herausforderung für sein seelsorgerisches Wirken in Teublitz war sicher auch die unmittelbare Nachkriegszeit, in der Menschen nach der Kriegsniederlage und mit Erfahrungen wie Gewalt, Hunger, vielfach auch Flucht und Vertreibung sowie nach dem bösen Erwachen aus der Ideologie des Nationalsozialismus neue Orientierung suchten. Auch in dieser Situation wird unter anderem berichtet, dass Pfarrer Dr. Hofmann sich in zupackender Art und Weise um Vertriebene kümmerte, Nahrung und Unterkunft organisierte und Menschen begeistern konnte.

Von 1952 bis 1962 war er als Regens der Leiter des Priesterseminars in Regensburg und damit verantwortlich für insgesamt zehn Weihejahrgänge. Am 1. Dezember 1962 wurde er Generalvikar unter Bischof Rudolf Graber. Er hatte damit, nach dem Bischof, das zweithöchste Amt des Bistums Regensburg inne und trug die Gesamtverantwortung für die Verwaltung der Diözese. Am 5. Juni 1991 verstarb er in Regensburg und wurde dort im Unteren katholischen Friedhof beigesetzt. „Mit der Benennung der Pfarrer-Hofmann-Straße ehrt die Stadt Teublitz einen Seelsorger, der in schwieriger Zeit menschlich handelte und Orientierung gab“, stellte Haberl abschließend fest.

Ein Vorbild als Seelsorger

„Für mich ist Pfarrer Dr. Hofmann ein Vorbild als Seelsorger“, so beschreibt Pfarrer Michael Hirmer seinen großen Vorgänger, „denn in schwerer Zeit war er den Menschen nahe, stärkte und tröstete sie durch sein Gebet und linderte Not, wo er nur konnte“. In einer schweren Zeit war es Dr. Karl Hofmann, der am Ende des Zweiten Weltkriegs den alliierten Soldaten entgegeneilte, um so der Zerstörung der Ortschaften Teublitz, Saltendorf und Katzdorf Einhalt zu bieten. Schon vor Kriegsende rettete er Menschen, die vom NS-Regime verfolgt wurden.

Nach dem Krieg kümmerte sich Hofmann um Vertriebene und organisierte für sie Nahrung und Unterkunft. Historisch relevant sind die Aufzeichnungen, welche Pfarrer Hofmann in den 40er Jahren anfertigte. Hier schildert er das alltägliche Leben in seiner Pfarrgemeinde während und nach der Kriegszeit. Karl Hofmann war aber vor allem ein Mann des Gebets.

 

Text: Werner Artmann

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