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Als das Kaltwalzwerk eine Hausnummer bekam

Aus unserer Stadtgeschichte

Am 14. März 1963 informierte der damalige Erste Bürgermeister der Stadt Teublitz, Josef Rothauscher (1910–1973), per Postkarte die Geschäftsleitung des Eisenwerks „Maximilianshütte“ über eine wichtige Neuerung: Das neu errichtete Kaltwalzwerk hatte ab sofort eine eigene Postanschrift – Maxhütter Straße 16 in Teublitz.

Da es zu dieser Zeit weder Faxgeräte noch E-Mails gab, war die Postkarte das gängige Kommunikationsmittel für offizielle Mitteilungen.
Diese originale Postkarte wird heute im Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld aufbewahrt. Die Museumsleiterin Christina Scharinger entdeckte sie vor wenigen Jahren im Archiv. Sie stellte der Stadt Teublitz eine Kopie dieses geschichtsträchtigen Dokuments zur Verfügung.

Bedeutung des Kaltwalzwerks für Teublitz

Das Kaltwalzwerk der Maximilianshütte spielte eine zentrale Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Zwischen 1961 und 1987 versorgte es zahlreiche Automobilhersteller und Produzenten von Haushaltsgeräten mit hochwertigem kaltgewalztem Stahl.

Mit dem Bau wurde im Januar 1960 begonnen. Das Werk war die größte Investition der Maxhütte nach dem Zweiten Weltkrieg. Amerikanische Vorbilder hatten gezeigt, dass kaltgewalzter Stahl eine überlegene Qualität bietet – dieses Prinzip wurde in Teublitz übernommen.

Ein Denkmal moderner Industriearchitektur

Die riesige Werkshalle des Kaltwalzwerks gilt heute als Denkmal moderner Industriearchitektur. Auch nach der Stilllegung wird sie weiterhin genutzt – derzeit durch die Firma LÄPPLE Automotive GmbH.

Im Frühjahr 1987 wurde das Kaltwalzwerk stillgelegt. Mindestens 720 Arbeitsplätze gingen dadurch verloren. Zwar protestierten im Oktober 1985 in München rund 2.500 Menschen gegen die Stilllegungspläne – dennoch konnte das Aus nicht verhindert werden.
Der komplette Betrieb der Maxhütte in Teublitz endete 1990. Auch der Standort Sulzbach-Rosenberg wurde 2002 weitgehend geschlossen. Lediglich das Rohrwerk blieb dort erhalten.

Heute ist das Kaltwalzwerk vielen jüngeren Menschen kaum noch ein Begriff. Mit der Schließung gerät dieser prägende Teil der Teublitzer Industriegeschichte zunehmend in Vergessenheit – umso wichtiger sind historische Dokumente wie die Postkarte von 1963.

Quelle: Dr. Thomas Barth, Stadtarchiv Teublitz

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