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Das Werksorchester der Maxhütte – Stolz von Werk und Region

Aus unserer Stadtgeschichte

Es gab eine Zeit, in der Werkskapellen das kulturelle Leben vieler Regionen prägten. Auch im Städtedreieck war das nicht anders: Das Werksorchester der Maxhütte entwickelte sich nach seiner Gründung im Jahr 1948 zu einem musikalischen Aushängeschild. Über vier Jahrzehnte hinweg begleitete es nicht nur Feste und Feiern, sondern trug entscheidend dazu bei, dass die Maxhütte nicht allein als Industriebetrieb, sondern auch als kultureller Motor wahrgenommen wurde.

Möglich wurde dies durch die großzügige Unterstützung der Werksleitung – Instrumente, Noten und Uniformen wurden gestellt, Proben fanden sogar während der Arbeitszeit statt.

Die ersten Schritte

Schon der erste öffentliche Auftritt am 7. August 1949 auf dem Burglengenfelder Marktplatz zeigte, dass hier mehr als eine reine Betriebskapelle auf der Bühne stand. Die Musiker strebten ein hohes Niveau an, orientierten sich an klassischer und bildungsbürgerlicher Musiktradition und lehnten Schlager entschieden ab. Märsche, Polkas und Opernmelodien prägten das Programm – und trafen genau den Geschmack der Zeit.

Vom Städtedreieck hinaus in die Welt

Die Popularität ließ nicht lange auf sich warten. 1953 war das Orchester bei den Stadterhebungsfeiern in Maxhütte und Teublitz ein Höhepunkt des Festprogramms. Wenige Jahre später folgten erste große Erfolge bei Landesmusikfesten, bei denen die Kapelle 1960 und 1965 jeweils den ersten Platz belegte. Der Schritt auf die internationale Bühne gelang 1966: In Kerkrade, bei der Weltmusikolympiade, nahmen die Musiker eine Silbermedaille entgegen. 1974, ebenfalls in Kerkrade, gelang dann der größte Triumph – Gold in der Kategorie Orchester und Silber im Marschwettbewerb, im Wettstreit mit über 160 Kapellen aus aller Welt.

Musik auf Schallplatte

Mit der wachsenden Bekanntheit entstanden auch Tonaufnahmen. 1967 nahm das Orchester im Burglengenfelder Pfarrheim seine erste Schallplatte „Ein Kranz bunter Melodien“ auf – noch ganz im klassischen Stil. Doch schon die beiden Produktionen von 1969 zeigten, dass sich der Musikgeschmack änderte. Statt ausschließlich Märsche und Walzer erklangen nun auch bayerische und oberpfälzische Volksweisen. „A zünftige Blasmusik“ und „Volksmusik aus der Oberpfalz“ hießen die neuen Platten – letztere stellte die Sänger allerdings vor die Herausforderung, Texte in einer Mundart vorzutragen, die viele gar nicht beherrschten. 1974 erschien die letzte LP: „Auf Geht’s – Musik zur Unterhaltung“. Sie verband traditionelle Blasmusik mit populären Liedern, darunter das Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“, das durch Bundespräsident Walter Scheel damals in aller Munde war.

Ein Orchester im Wandel

Nicht nur das Repertoire, auch das äußere Erscheinungsbild veränderte sich. In den frühen Jahren traten die Musiker in grauen Jacken, blauen Hosen und Mützen auf; 1952 kam eine Sommeruniform in Weiß hinzu. Ab Mitte der fünfziger Jahre wirkte die Kapelle durch ihre Uniformen fast wie ein Polizeiorchester – bis 1974 die Hinwendung zur oberpfälzischen Tracht erfolgte. Mit ihr präsentierte sich das Ensemble stärker als Teil der regionalen Kultur und weniger als reine Betriebskapelle.

Die Menschen hinter der Musik

So sehr die Unterstützung des Werkes half – den eigentlichen Erfolg verdankte die Kapelle ihren Leitern. Ludwig Pinzl und Josef von der Grün standen von Beginn an an der Spitze. Beide hatten sich nach dem Krieg in der Combo „Die Burgschwalben“ kennengelernt, die Tanzmusik für amerikanische Besatzungstruppen spielte. Während von der Grün organisatorisch prägte, war es Pinzl, der mit Leidenschaft und Strenge die künstlerische Linie bestimmte. 1914 in Straß bei Burglengenfeld geboren, leitete er die Kapelle jahrzehntelang, war zugleich Sicherheitschef der Maxhütte in Haidhof und engagierter Stadtrat in Burglengenfeld. 1999 verstarb er – hinterließ jedoch ein reiches Vermächtnis. Für „seine“ Kapelle und die Maxhütte komponierte er sogar das Stück Glückauf Sauforst.
 

Quelle: Dr. Thomas Barth, Stadtarchiv Teublitz

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