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Eine Sitzung des Wasser- und Bodenverbands

Aus unserer Stadtgeschichte

Am 26. November 1964 fand eine „Verbandsschau“ des Wasser- und Bodenverbands in Teublitz und Saltendorf statt. Dieser Zweckverband widmete sich vorrangig der Räumung der offenen Gräben, die damals noch ganz Teublitz durchzogen, um eine Ableitung der Niederschläge und des Abwassers zu ermöglichen.

An der Besprechung beteiligt waren Vertreter des Landratsamtes (damals noch in Burglengenfeld), der Stadt Teublitz, der damals noch eigenständigen Gemeinde Saltendorf und der betroffenen Grundstückseigentümer. Zwei weitere Teilnehmer kamen vom Eisenwerk Maximilianshütte und vom Wasserwirtschaftsamt in Amberg, also insgesamt sechs Personen.

Dieses Treffen ist im Stadtarchiv gut dokumentiert, da sich sowohl das Protokoll der Begehung als auch eine Rechnung über den anschließenden Wirtshausbesuch erhalten haben. Bei der Besichtigung standen damals vornehmlich Umweltprobleme im Vordergrund, da die Kläranlage („Abwasserbeseitigungsanlage des Zweckverbands“) erst Ende Oktober 1964 eröffnet worden war. Problematisch waren vor allem die Ableitungen des Eisenwerks: „Der Aushub ist rot gefärbt und riecht nach Teer.“ Auch das Abwasser der anliegenden Hausbesitzer wurde anscheinend ungeklärt in die Gräben geleitet, was jedoch 1964 bereits als „Mißstand“ bezeichnet wurde.

„Wer gut isst, kann auch gut arbeiten!“

In diesem Zusammenhang ist allerdings auch die Rechnung des anschließenden Wirtshausbesuchs von Interesse, da hier die Besprechung nach der Besichtigung der offenen Gräben fortgesetzt wurde. Die Teilnehmer kehrten in die Gastwirtschaft und Metzgerei Heinrich Hofmann ein, die damals von seinem Schwager Hans Wein (1906-1969) in der Maxhütter Straße 1 betrieben wurde, da Hofmann bereits 1944 an den Folgen eines Autounfalls verstorben war. Wein wiederum übergab die Geschäfte 1966 an seinen Schwiegersohn Franz Wein, der hier auch eine Frühstückspension betrieb. Der Gasthof bestand bis 1981, die Pension bis 2002.

Als Vorspeise bestellten vier Gäste eine Leberknödelsuppe, die damals 50 Pfennig kostete. Als Hauptgericht aßen vier Teilnehmer der Versammlung ein Kotelett, das jeweils mit 2,80 DM berechnet wurde und zwei Verbandsmitglieder eine Brotzeitplatte („Aufschnittplatte“), die 2,50 DM pro Portion kostete. Als Beilage finden sich auf der Rechnung sechs Brotscheiben (oder Semmeln), die mit 10 Pfennigen pro Scheibe in Rechnung gestellt wurden.

Bei den Getränken fällt auf, dass anscheinend nur ein Teilnehmer als Autofahrer Alkoholfreies bestellte und zwei Colas (40 Pf. Pro Flasche) trank. Die übrigen nahmen zusammen elf Gläser Exportbier zu sich. Dazu kamen fünf Steinhäger (auf der Rechnung falsch als „Steihäger“ geschrieben). Die Bedienung wurde übrigens damals noch extra in Rechnung gestellt und mit 10 Prozent berechnet. Laut Quellen in Internet ging die Neigung, in Wirtshäusern „Export“ zu bestellen, ab den 1970er Jahren zurück. Von nun an bestellten die Gäste Pilsner oder auch vermehrt wieder Weizenbier.

Wandel der Ernährung im Laufe der Zeit

Beim Steinhäger oder Schinkenhäger handelt es sich um einen Wacholderschnaps, der bis in die 80er Jahre sehr beliebt war, da er im Fernsehen stark beworben wurde. Drei Gäste genehmigten sich zusätzlich noch eine Zigarre.

Wirtshausrechnungen der Vergangenheit haben deswegen einen beachtlichen Quellenwert: Deutlich wird, dass sich in den letzten 60 Jahren Ess- und Trinkgewohnheiten verändert haben, auch dass bestimmte Spirituosen ein bisschen aus der Mode gekommen sind und die Inflation seit Mitte der 1960ern zu veränderten Preisen geführt hat. Auch verrauchte Wirtshauszimmer gehören heute der Vergangenheit an.

Quelle: Dr. Thomas Barth, Stadtarchiv Teublitz

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