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Die gestohlene Amtskette

  • Aus unserer Stadtgeschichte
Amtsübergabe von Altbürgermeister Hochstettler (links) an Bürgermeister Rothauscher im Jahr 1960 (Foto: Stadtarchiv)

Eine Geschichte aus der „guten“ alten Zeit. Symbole sind wichtig: Sie verschaffen Identität und heben das Gemeinschaftsbewusstsein.

Diese Tatsache war den Mitgliedern des Teublitzer Marktgemeinderats (die Gemeinde Teublitz war 1939 zum Markt erhoben worden) im Jahre 1953 nur allzu bewusst. Bei den Vorbereitungen zur Stadterhebung wurde den Verantwortlichen klar, dass der Erste Bürgermeister bei feierlichen Anlässen als Dienstabzeichen immer noch eine silberne Schaumünze am blauen Band trug, auf deren Vorderseite König Ludwig II. abgebildet war.

Obwohl der Märchenkönig bereits im Jahre 1886 unter mysteriösen Umständen im Starnberger See ertrunken und die bayerische Monarchie in der Novemberrevolution 1918 zu Ende gegangen war, symbolisierte diese Plakette auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg das Teublitzer Gemeinwesen. Auf ihr war nicht einmal das Teublitzer Wappen abgebildet, da dieses erst mit der Erhebung zum Markt verliehen worden war.

 

1953: Amtskette war Geschenk von der Stadt Burglengenfeld

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden bei den Vorbereitungen zur Stadterhebung, Überlegungen angestellt, Teublitz mit einer neuen Amtskette angemessener zu repräsentieren. Obwohl ein Marktgemeinderatsbeschluss vom 27. März 1953 die Anschaffung einer Amtskette in Auftrag gab, wurde dieser Beschluss letztlich nicht umgesetzt, da die Stadt Burglengenfeld, die bei den Stadterhebungsfeierlichkeiten als Patenstadt fungierte, als Geschenk eine entsprechende Kette stiftete.

In den folgenden Jahrzehnten fand die Kette bei Trauungen durch den Bürgermeister, bei Ehrungen, kirchlichen Anlässen und bei Staatsbesuchen durch Angehörige der Münchner und Bonner Regierungs-Kabinette Verwendung. Bis 1974 repräsentierte diese Kette das Teublitzer Gemeinwesen.

 

1974: Druckstöcke, Bargeld und Amtskette entwendet

Da sich die ursprüngliche Kette als zu kurz erwiesen hatte, gab der Stadtrat 1957 noch eine Verlängerung in Auftrag. Am 28. Oktober 1974 schreckte allerdings eine Meldung der Mittelbayerischen Zeitung im Lokalteil auf. Die Schlagzeile lautete: „Einbruch im Rathaus Teublitz: Druckstöcke, Bargeld und Amtskette entwendet.“

Der Neue Tag titelte am gleichen Tag: „Die Täter kamen durchs Toilettenfenster: 375 Passformulare und Amtskette geklaut“. Zusätzlich entwendeten die Täter Bargeld in Höhe von über 2.000 DM, ein Tonbandgerät, noch nicht vergebene Bürgermedaillen und alte Urkunden.

Da der Einbruch in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 27. Oktober1974, dem Tag, an dem die bayerische Landtagswahl stattfand, passierte, glaubten einige zuerst an einen versuchten Wahlbetrug. Zum Glück bestätigte sich dieser Verdacht nicht, da die bereitliegenden Wahlunterlagen unberührt blieben.

Erst im Dezember 1974 gelang es, die Täter dingfest zu machen: Verantwortlich waren vier Jugendliche aus dem Landkreis Amberg, die 1973 und 1974 zahlreiche Einbrüche in der Region verübt und unter anderem die Rathäuser in Lauterhofen und Teublitz aufgebrochen hatten. Festgenommen wurden drei der Täter allerdings in Wiesbaden. Sowohl die Blanko-Passformulare als auch die gestohlenen Urkunden tauchten in einem Wald bei Kastl wieder auf. Unauffindbar blieb allerdings bis heute die Amtskette.

 

1978: Neue Amtskette durch die Raiffeisenbank überreicht

Möglicherweise spielte auch die Hoffnung eine Rolle, dass die Amtskette doch noch gefunden werden könnte. Sodass sich erst anlässlich der 25-jährigen Stadterhebung im Jahr 1978 sich die Raiffeisenbank bereit erklärte eine neue Amtskette zu stiften, um  „… unsere Verbundenheit mit der Stadt Teublitz und seinen Bürger*innen zum Ausdruck [zu] bringen …“ Bei den Feierlichkeiten zur 25-jährigen Stadterhebung wurde die neue Kette am 21. Juli 1978 überreicht. Seitdem legitimiert sie symbolisch ihre Träger, die Ersten Bürgermeister*innen von Teublitz, und repräsentiert die kommunale Selbständigkeit der Stadt.

Text: Dr. Thomas Barth

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